Das 6. Festival der Philosophie geht über das Thema Identitäten und das unvollkommene Ich, es steht unter dem Motto: „Dreiviertel-Ich“.

Gäste: Michael Hauskeller (Exeter), Michela Marzano (Paris), Christina von Braun (Berlin), Basma Hamdy (Leiden), Amin Maalouf (angefragt, Paris), Caterina Zanfi (Wuppertal/Modena), Jann E. Schlimme (Berlin), Till Bastian (Isny), Christine Morgenroth (Hannover), Oskar Negt (Hannover), Wenchao Li (Potsdam), Mouhanad Khorchide (Münster), Thela Wernstedt (Hannover), Adrian Lobe (Hamburg), Uljana Feest (Hannover), Rolf Pohl (Hannover), Chiara Santucci Ganzert (Münster/Roma), Marina Ruffinazzi (Hannover/Pavia), Volker Weiß (Hamburg), Philipp Bode (Hannover), Achim Engstler (Varel), Veronika Reichl (München), Rüdiger Rimpler (Hannover), Rainer Totzke (Dresden), Salvatore Principe (Campobasso), Schneewittchen (Hannover), Mona Lisa Tina (Bologna), Nico Benadie (Süd-Afrika/Hannover) usw.

Das 6. Festivals der Philosophie 2018 zeigt die Wandlungen des „Ich“-Begriffs vom Deutschen Idealismus und der Romantik bis heute in der Annahme, dass alle unsere heutigen Probleme letztlich Identitäts-Probleme sind.

Uns erwarten mehr als 50 Veranstaltungen: Vorträge, Konzerte, Ausstellungen in Kirchen und historischen Kulturzentren (Ev.-Luth. Marktkirche St. Georgii et Jacobi, Künstlerhaus, Willehadi Kirche usw.) von Hannover und Region.

„Das Ich setzt sich und das Nicht-Ich“, schreibt 1794 Fichte in seiner „Wissenschaftslehre“, und der junge Schelling verkündet das „Ich als Prinzip der Philosophie“. Der deutsche Idealismus entdeckt, dass es ohne Subjekt kein Objekt, ohne Ich keine Welt gibt. Aber dieses vor Selbstbewusstsein strotzende, identitätsstiftende Ich ist in die Krise gekommen. Die Krise ist allgegenwärtig – in der Psychoanalyse („der Mensch ist nicht Herr im eigenen Haus“, sagt Freud) – in der Literatur (man denke nur an den „Mann ohne Eigenschaften“) – in der Kunst. Der rasante Fortschritt von Wissenschaft und Technik provoziert die Identität täglich von neuem. Schließlich steht in der Gender-Diskussion die scheinbar selbstverständliche Identität eines jeden Menschen als Frau oder Mann in Frage.

Ist also die Identität unrettbar verloren, ein überholter Begriff, dem man bestenfalls einen wehmütigen Nachruf widmen kann? Oder gibt es Wege, vom Dreiviertel- wieder zu einem ganzen Ich zu kommen?

Diese Fragen sind am besten interdisziplinär und in einem internationalen Dialog zu stellen. Es ist auffällig, wie nach den großen philosophischen Systemen seit dem 19. Jahrhundert die Literatur in die Bresche springt und die Fragen des Sinns, von Gut und Böse und der immer brüchigeren Identität des Individuums verhandeln.

So werden die geplante Veranstaltungen verschiedene Bögen spannen: von der Rettung des Ich und seiner gleichzeitigen hunderttausendfältigen Auffächerung in der Literatur der vorletzten Jahrhundertwende, von „Identité, rôle, gender“ zu den müden Monaden, vom „gepanzerten Menschen“ („Christusmord“ von Wilhelm Reich) zur philosophischen Perfomance.

Dazu: Filme vom Kommunalen Kino und zwei Ausstellungen: "Jenseits des Spiegels - das unvollkommene Ich" in der Willehadi Kirche, Auf der Horst in Garbsen, und "Ort der verlorenen Dinge" im Bürgersaal des Neuen Rathauses, Trammplatz 2, Hannover.